Donnerstag, 11. November 2010

Mittwoch, 10. November 2010

Der Vormittag begann mit weiterer Gruppenarbeit zur Entwicklung der Projektidee. Es kam mir jedoch eher wie ein lang andauerndes Brainstorming vor, da die Idee immer wieder abgewandelt wurde. Letztlich einigten wir uns darauf, dass es eine Art Wettbewerb für Schüler und Studenten sein soll, wobei Ideen zur Steigerung der Energieeffizienz in Schulgebäuden (sowohl Verhaltensänderungen, als auch investive Maßnahmen) eingereicht werden. Diese sollen durch eine internationale Jury (Unternehmer, Wissenschaftler, Ministerielle) bewertet werden und die besten Ideen werden auf einer Konferenz vorgestellt und dann soll deren Umsetzung durch Unternehmenssponsoring erfolgen.
Ich bin zugegebenermaßen etwas skeptisch, da ich weiß wie hoch die Anforderungen an Schulsanierungen in Deutschland sind – das Pilotprojekt Förderschule Olbersdorf, wo denkmalgerecht die energetische Sanierung erfolgt, kostet 8,6 Millionen Euro (die Sanierung allein 2 Millionen) – schließlich sollen es innovative Ansätze sein.
Die Idee ist nett, die Umsetzung aber noch zu unkonkret und aus meiner Sicht auch nicht sonderlich innovativ. Aber ich habe hier auch die deutsche Sicht auf die Dinge und weiß, dass wir in diesem Feld ein ganzes Stück weiter sind, als bspw. Rumänien, das Baltikum oder auch die USA. Auf jeden Fall sind die internationalen Diskussionen stets spannend und eine gute Erfahrung, weil es zeigt, dass wir von der Zielstellung her nicht grundsätzlich anders ausgerichtet sind.
Zum Mittag ging ich mit Agata aus Polen, mit der ich bereits in den USA und anschließend Zuhause Austausch zum Thema Carbon Capture and Storage halte. Sie war auch einmal mit zu einer Exkursion zur Pilotanlage in Schwarze Pumpe und wir halten uns in Bezug auf dieses Thema gegenseitig auf dem Laufenden.
Am Nachmittag folgte das nächste Diskussionsforum. Dabei ging es um Umwelttechnologien – insbesondere energetische Sanierung von Gebäuden und Elektromobilität – und um Umweltpolitik allgemein. Es waren interessante Vorträge, u.a. von der Firma Knauf und dem tschechischen Energieversorger CEZ. Der vormalige tschechische Umweltminister Martin Bursik sprach zur tschechischen Umweltpolitik und zu den internationalen Anforderungen.
In der Diskussion machte ich deutlich, dass ich seine Auffassung, dass es einer internationalen CO2-Steuer bedarf nicht so ganz teile. Es ist vollkommen richtig, dass externe Effekte zu internalisieren sind, nur halte ich eine Steuer für den falschen Ansatz. Ich argumentierte dahingehend, dass Innovation im Umweltbereich nur über eine ansteigende Steuer Anreize setzen würde, wohin gehend eine degressive CO2-Obergrenze im Rahmen international verknüpfter Emissionshandelssysteme besser geeignet wäre Innovationen zu generieren.
Erstaunlicherweise stimmte er mir vollkommen zu und kam auch nach dem Vortrag zu mir, um sich für die Frage zu bedanken.
Das bestätigt zumindest ein Stück weit auch den Ansatz, welchen ich in meiner Dissertation verfolge.
Im zweiten Forum am Nachmittag ging es um Energiesicherheit und Konfliktsituationen. Es war interessant zu hören, wie offen die Amerikaner ihren Einsatz im Irak und Afghanistan auch aus sicherheitspolitischer Sicht argumentieren. Zur Erinnerung: unser vormaliger Bundespräsident Horst Köhler ist über eine derartige Aussage gestolpert, wobei er selbstredend Recht hatte. Natürlich können wir nicht tatenlos zusehen, wie kritische Ressourcen durch terroristische Hände beherrscht werden und dabei auch die lokale Bevölkerung in diesen Ländern unterdrückt wird.
Ein Amerikaner wiederum wagte die tollkühne Feststellung, dass die USA mit ihrer militärischen Stärke doch in der Lage seien ihre Versorgungen aus allen Teilen der Welt zu sichern. Die Referenten (auch Amerikaner) kommentierten dies jedoch eher mit der Feststellung, dass er doch weiter träumen solle und dann vielleicht in der Realität ankommt.
Eine interessante Diskussion drehte sich auch um die Staatsform, welche am besten geeignet wäre diese kritischen Aspekte zu erfüllen.
In Diktaturen lassen sich problematische Themen leichter durchsetzen, es stellt sich jedoch die Frage, wie langfristig, umfassend analysiert und nachhaltig dann Entscheidungen sind.
Demokratien wiederum bieten viele Möglichkeiten der Einflussnahme – meist erfolgt dies allerdings nur am Wahltag und nicht in der Zwischenzeit. Das heißt die Partizipation der Bevölkerung ist zu gering, sodass bei der konkreten Umsetzung von Projekten (Stichwort Stuttgart21) plötzlich ein „Sturm“ der Entrüstung losbricht.
Eine deutsche Teilnehmerin meinte, dass dies in Deutschland ja nun besser funktioniere, wie die Gorleben-Proteste zeigen. Juliane Rinas von der SPD-Fraktion aus dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern kommentierte allerdings, dass sie diese Auffassung nicht teile und große Defizite bei der Bevölkerung und insbesondere jungen Menschen in Deutschland sieht. Ich sehe das genauso. Schließlich kommt es einem durch starken Wind häufig kälter vor, als es tatsächlich ist. Wenn der Wind vergeht merkt man, dass die Temperaturen doch nicht so niedrig sind – übertragen auf die Proteste heißt das, dass 50.000 oder auch 100.000 Demonstranten noch kein Indiz für die sinkende Zustimmung zu Zielen und Projekten sind. Man muss sie ernst nehmen, aber darf es auch nicht überbewerten.

Nach den Diskussionen hatten wir ein wenig Freizeit, die ich nutzte um weiter meine Dissertation zu lesen. Anschließend folgte noch mal eine Gruppenberatung zu unserem Projekt, wo wir den Zeitplan und die notwendigen Umsetzungsschritte besprachen.
Am späteren Abend stand ein gemeinsames Abendessen im „Koliba U Pastyrky“ (Schäferhof) an – das halbe Hähnchen erinnerte mich eher an Fast Food und ich aß es nur auf, damit es nicht umsonst gestorben ist ;)
Die Gespräche waren aber recht interessant. Unter anderem sprach ich mit Inga aus Litauen, um mich nach dem Stand der Umsetzung von CCS in Litauen zu erkundigen. Sie hatte zu diesem Thema vor kurzen promoviert (technische Speicherung von CO2). Es scheint jedoch noch keine konkrete Anwendung zu geben- interessant war für mich, dass eher die finanziellen Barrieren als Hinderungsgrund auftreten, wohingegen in Deutschland eher die skeptische Haltung einzelner Bundesländer in Bezug auf die Speicherung von Kohlendioxid ein Hemmschuh sind.
Im Hotel um kurz vor Mitternacht angelangt las ich noch ein wenig meine Dissertation.

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